Informationsblatt: Anfertigung einer Fach- oder Jahresarbeit

(Quelle: ARTLAND FROSCH HEFT 3/1994, S. 29 bis 32)


1. Auswahl des Themas
  • Bei der Themenauswahl sollte man sich von folgenden Gesichtspunkten leiten lassen:
  • Welches Thema interessiert mich am meisten? Anregungen zu dieser Frage erhälst Du auch vom Fachlehrer.
  • Besitze ich Vorkenntnisse oder Literatur zu dem Thema?
  • Liegt das Bearbeitungsgebiet für mich in erreichbarer Nähe? Da während der Datenerfassung das Untersuchungsgebiet häufig aufgesucht werden muß, ist die gute Erreichbarkeit außerordentlich wichtig.
  • Mit welchen Mitschülern möchte ich ggf. zusammenarbeiten?
  • Welche Punkte sind ggf. zu beachten, wenn ich mit der Arbeit an einem Wettbewerb teilnehmen möchte?
2. Hinweise zur Durchführung der Facharbeit
  • Überlege Dir genau, was Du untersuchen willst. Grenze die Zielsetzung genau und eng ein. Berücksichtige im Rahmen Deiner Untersuchung auf keinen Fall sehr viele Untersuchungsparameter bzw. Arten, es sei denn, Du hast schon große Vorkenntnisse. Gerade die Bestimmung von Tier- und Pflanzenarten stellt bereits erhebliche Anforderungen, die eine solide Einarbeitung erfordern. Wähle also niemals ein Thema wie: "Die Tier- und Pflanzenwelt unseres Gartens" sondern beschränke Dich. Geeignet wären z.B. Themen wie: "Die Vogelwelt unseres Gartens", "Unser Apfelbaum im Jahreslauf" "Die Verbreitung der Brennessel in unserem Ort und ihre Bedeutung als Stickstoffzeiger" oder "Bestandsaufnahme der Greifvögel in unserer Gemeinde". Die Datenerfassung sollte sich auf jeden Fall über einen längeren Zeitraum erstrecken, so daß ein zeitlicher Gang bei den Messwerten bzw. Beobachtungen ausgewertet werden kann. Lasse Dich bei der Themenwahl vom Fachlehrer oder von ortskundigen Naturfreunden beraten. Die Untersuchungsmethoden sollten einfach, aber genau definiert werden und immer in genau gleicher Weise zur Anwendung kommen.
  • Besorge Dir umgehend Literatur mit fachlichen Informationen und methodischen Anregungen zu Deinem Thema und kläre ab, ob Du die benötigten Hilfsmittel beschaffen kannst. Fachbücher erhälst Du in der Schule, aber auch in öffentlichen Bibliotheken. Ist ein Titel in einer Bibliothek nicht vorrätig, kann er in jedem Fall über die Bibliotheks-Fernleihe kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr bestellt werden. Lasse Dir ein für Deine Untersuchungen besonders wichtiges Buch, z.B. ein Bestimmungsbuch, möglichst schenken oder kaufe es dir selbst. Erstelle zu Beginn Deiner Untersuchungen einen Erfassungsbogen, in den Du die gemachten Beobachtungen genau eintragen kannst, oder lege ein Protokollheft bzw. eine Mappe an, in der alle Beobachtungen und Überlegungen schriftlich festgehalten werden. Das Internet liefert ebenfalls eine Fülle von Informationen. Nimm ggf. Kontakt zu einem Regionalen Umweltbildungszentrum auf.
  • Mache Dir einen genauen Zeitplan für die Anfertigung der Facharbeit. Lege fest, wann Du mit den Untersuchungen beginnen willst, wann die Datenerfassung abgeschlossen werden soll und wann Du die Arbeit abgeben mußt. Der Zeitraum für die Anfertigung einer Facharbeit beträgt in Niedersachsen zur Zeit nur 6 Wochen. Die Gesamtkonferenz der Schule kann allerdings die Einbeziehung einer Ferienzeit sowie die Erfassung von Daten und Informationen vor Bekanntgabe des genauen Facharbeitsthemas zulassen.
  • Erfasse die Daten regelmäßig und exakt. Die Bedingungen müssen bei jeder Untersuchung gleich sein. Je nach Thema sind die Beobachtungen häufiger, z.B. täglich 10 Minuten oder dreimal wöchentlich jeweils 1/2 Stunde oder seltener, z.B. vierzehntägig jeweils zwei bis drei Stunden, durchzuführen. Es kommt dabei nicht auf einen besonders großen Zeitaufwand an sondern darauf, daß während der Beobachtungsphasen genau gearbeitet und exakt protokolliert wird. Sammle unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften Belegmaterial soweit dies möglich ist (herbarisierte Pflanzen, tote Insekten, Gewölle von Greifvögeln, verlassene Vogelnester, Fotos oder Videoaufnahmen oder was sich sonst im Rahmen der von Dir bearbeiteten Thematik anbietet). Mache Dir möglichst auch schon Notizen zur Deutung, wenn Du gute Ideen hast.
  • Bedenke, daß die Beobachtungen den ersten Hauptteil der Facharbeit ergeben sollen. Bedenke auch, daß die sinnvolle und exakte Datenerfassung unter vergleichbaren Bedingungen (gleiche Methode und ggf. gleiche Tageszeit) unabdingbare Voraussetzung für eine sinnvolle Deutung ist.
  • Solltest Du während Deiner Beobachtungen feststellen, daß das gesetzte Ziel nicht oder nur sehr schwer erreichbar ist, sei flexibel und ändere oder wechsele möglichst schnell das Thema.
  • Die letzte Phase der Facharbeit dient der Auswertung der Beobachtungen und dem Zusammenschreiben. Die Deutung der eigenen Beobachtungen soll den zweiten Hauptteil der Arbeit bilden. Achte sorgfältig darauf, daß Du alle Informationen und Daten', die Du aus Büchern, Zeitschriften oder aus sonstigen Informationsquellen bezogen hast, deutlich kennzeichnest. Dies geschieht, indem man z.B. den Namen des Autors und die Jahreszahl der Veröffentlichung des Buches/Aufsatzes in Klammern hinter die Daten bzw. Textpassage setzt, die man übernommen hat. Eine sichere Interpretation vieler Werte ist kaum möglich. Beachte dies in Deiner Deutung, indem Du sinnvolle Hypothesen formulierst, ohne einen Anspruch auf absolute Richtigkeit der formulierten Hypothesen zu erheben.
  • Beachte beim Zusammenschreiben Deiner Arbeit die folgenden Hinweise zur Ausarbeitung
3. Hinweise zur Anfertigung der Facharbeit
Die Facharbeit sollte sauber geschrieben vorgelegt werden und darf bei einem Verfasser 15 Seiten Umfang nicht überschreiten. Der Facharbeit kann allerdings ein Anhang mit Tabellen, Grafiken, Fotos, Zeichnungen usw. in beliebigem Umfang beigefügt werden.
Folgende Gliederungspunkte sollten berücksichtigt werden:
Einleitung: Kurze Beschreibung des Anlasses und der Zielsetzung der Arbeit.
Material und Methode: Umfassende, aber kurze Darstellung der während der Projektarbeit verwendeten Materialien und Methoden. Die Beobachtungen sind vielfach verfahrensabhängig, so daß die genaue Beschreibung der verwendeten Methoden unabdingbare Voraussetzung für die sinnvolle Interpretation sowie für die spätere Durchführung von Vergleichsuntersuchungen ist.
Untersuchungsgebiet: Knappe Beschreibung des Untersuchungsgebietes (Geografie, Karten; bei Bedarf auch Klima, Bodenbeschaffenheit, Geologie usw.)
Beobachtung: Dieser Abschnitt bildet den ersten Hauptteil der Arbeit. Hier werden die in den Erfassungsbögen oder Beobachtungsprotokollen vorliegenden Daten in geeigneter Weise dargestellt. Dies kann abhängig von der Art der Daten in Tabellen, Grafiken, Karten oder auch in Textform geschehen. Achte beim Anfertigen von Grafiken auf eine sinnvolle Achseneinteilung und auf die richtige Zuordnung der Daten zu den Achsen und die korrekte Beschriftung der Achsen. Die Achseneinteilung erfolgt so, daß der höchste auf einer Achse aufgetragene Wert etwas größer gewählt wird, als der größte Meßwert, den man eintragen möchte. Die Achse wird dann gleichmäßig aufgeteilt, wobei auch ein logarithmischer Maßstab möglich ist. Vom Experimentator vorgegebene Werte gehören immer auf die x-Achse, die in Abhängigkeit von der Vorgabe ermittelten Meßwerte gehören auf die y-Achse. Die Achsenbeschriftung umfaßt Art, Größe und Einheit der Meßwerte, z.B. Art: Zeit, Größe: 1 bis 20, Einheit: Sekunden. Nicht zuletzt sollte eine Grafik eine Bildunterschrift und, falls nötig, eine Legende enthalten. Ob man die einzelnen Messwerte in einer Grafik zu einer Kurve verbindet, oder nicht, ist abhängig davon, ob die nicht erfassten Zwischenwerte zwischen zwei Meßwerten sich aus den Meßwerten ableiten lassen oder nicht. So kann man annehmen, daß bei einer Lufttemperatur von 20°C um 12 Uhr und 21,5°C um 13 Uhr die Zwischenwerte zwischen diesen beiden Meßwerten liegen und somit eine Verbindung der beiden Messwerte in der Grafik sinnvoll ist. Hat man jedoch am 1. Februar von 12 Uhr bis 13 Uhr 8 Kohlmeisen im Garten gezählt und am 2. Februar von 12 Uhr bis 13 Uhr 12 Kohlmeisen, so ist nicht anzunehmen, daß die Kohlmeisenzahl in der Zwischenzeit linear von 8 auf 12 Tiere angestiegen ist. Eine grafische Verbindung der beiden Meßwerte ist somit nicht sinnvoll. Eventuell stellt man die Individuenzahlen der Meisen sogar als Säulengrafik dar. Die ausgefüllten Erfassungsbögen bzw. Protokolle, die alle Details der Datenerfassung enthalten, gehören ggf. in den Anhang zur Arbeit.
Deutung: Dieser Abschnitt ist im Umfang und in seiner Bedeutung das zweite Herzstück der Arbeit; er kann untergliedert werden und enthält die Interpretation der im vorstehenden Kapitel beschriebenen Daten. Literaturangaben sind auch hier deutlich von eigenen Ergebnissen zu trennen. Diskussion: Die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit werden mit der Zielsetzung verglichen, Schlußfolgerungen gezogen, Lücken und Fehler in der Untersuchung aufgezeigt und Vorschläge für eine weitere Arbeit an dem Thema gemacht.
Zusammenfassung: Stichpunktartig werden hier für den flüchtigen Leser die herausragenden Ergebnisse der Arbeit zusammengestellt.
Literatur: Angaben zur benutzten Literatur in folgender Form:
a) AUTOR (Erscheinungsjahr): Titel des Buches. Verlag und Erscheinungsort
b) AUTOR (Erscheinungsjahr): Titel der Arbeit. Zeitschrift (gekürzt), Bandzahl bzw. Jahrgang, Heftnummer, Seitenzahl, Erscheinungsort
Der Arbeit sollten, soweit möglich und sinnvoll, Fotos, Zeichnungen, Originalbeobachtungsprotokolle und Belegmaterialien beigefügt werden. Pflanzen sind durch ein herbarisiertes Exemplar (nur bei häufigen Arten), Wirbellose durch ein in 70%igem Brennspiritus fixiertes oder ein genadeltes Tier (ebenfalls nur häufige Arten) und andere Arten soweit möglich durch ein Foto zu belegen. Vorsicht und Rücksicht im Hinblick auf die untersuchten Arten und ihre Lebensräume als auch im Hinblick auf die eigene Gesundheit ist bei allen Untersuchungen oberstes Gebot. Die gültigen Gesetze, Verordnungen und Erlasse (Naturschutzgesetz, Bundesartenschutzverordnung usw.) sind einzuhalten; sie sollten in der Schule eingesehen werden. Dasselbe gilt für die Roten Listen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten.