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Die verbindlichen Regelungen im Erlass EB-VO-GOF, SVBL 6/97
10.13
Im ersten bis dritten Kurshalbjahr werden in Leistungskursen jeweils zwei Klausuren geschrieben; im ersten oder zweiten Kurshalbjahr tritt an die Stelle der Klausuren in einem Leistungsfach eine Facharbeit nach Nr. 10.16. Die Schule legt fest, in welchem Kurshalbjahr und in welchem Leistungsfach die Facharbeit geschrieben wird. Die Entscheidung der Schule ist den Schülerinnen und Schülern vor Eintritt in die Kursstufe mitzuteilen.

10.16 Die Facharbeit gibt den Schülerinnen und Schülern exemplarisch Gelegenheit zur vertieften selbständigen wissenschaftspropädeutischen Arbeit. Sie bezieht sich auf den Unterrichtsgegenstand des Kurshalbjahres und soll den Rahmen von 15 Textseiten in Maschinenschrift nicht überschreiten. Die Schülerin oder der Schüler hat durch Unterschrift am Ende der Facharbeit zu versichern, daß sie oder er diese selbständig angefertigt, keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt und die Stellen der Facharbeit, die im Wortlaut oder im wesentlichen Inhalt anderen Werken entnommen wurden, mit genauer Quellenangabe kenntlich gemacht hat. Die Facharbeit kann als Einzel- oder Gruppenarbeit angefertigt werden, wobei im Falle der Gruppenarbeit die Einzelleistung der Schülerin oder des Schülers klar ersichtlich sein muß. Das Thema der Facharbeit wird von der Kursleiterin oder dem Kursleiter gestellt; sie wird von ihr oder von ihm bewertet und tritt an die Stelle der Klausuren in der Gesamtbewertung der schriftlichen Schülerleistung in dem Kurshalbjahr.

Hinweise und Empfehlungen, Aufsatz im SVBL 6/97

5.2 Die Facharbeit als Beitrag zur Wissenschaftspropädeutik
Die Zielsetzung der gymnasialen Oberstufe und des Fachgymnasiums wird in der Regel mit der Trias "vertiefte Allgemeinbildung, allgemeine Studierfähigkeit und Wissenschaftspropädeutik" umschrieben. Wissenschaftspropädeutik meint dabei, auf der Grundlage des selbständigen Lernens und Arbeitens in wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen einzuführen, nicht jedoch wissenschaftlich selber zu arbeiten. Die verbindliche Einführung der Facharbeit in einem Leistungsfach ist vor dem Hintergrund dieser beschriebenen Zielsetzung zu sehen. Die Rahmenbedingungen sind nach Nrn. 10.13 und 10.16 EB-VO-GOF eindeutig geregelt. Hiernach entscheidet die Schule - in der Regel durch Gesamtkonferenzbeschluß - über das Kurshalbjahr und das Fach, in dem die Facharbeit geschrieben werden soll. Dabei bietet sich das zweite Kurshalbjahr besonders an. Die Festlegung des Leistungsfaches kann unter verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen: z.B. durch die Bindung an eine Kursleiste, an das erste Leistungsfach oder an die Leistungsfächer eines Aufgabenfeldes. Im Grundsatz gilt aber, daß jedes Leistungsfach insofern gleichwertig ist, als es sich für die Themenstellung und Behandlung der Facharbeit eignet. Deshalb hat die Schule auch die Entscheidungsfreiheit, durch entsprechenden Beschluß einen Wechsel der Fächer vorzusehen, in denen die Facharbeit zu schreiben ist.
Die Facharbeit ist die schriftliche Leistung, die in dem Fach in dem Kurshalbjahr zu erbringen ist. Thematisch erwächst sie deshalb aus dem Unterrichtsgegenstand dieses Kurshalbjahres und geht als schriftliche Teilleistung in die Gesamtbewertung der Schülerleistung ein. Die Fachkonferenzen werden die thematischen Bereiche einzugrenzen haben, die sich für die konkrete Aufgabenstellung für eine Facharbeit durch die Fachlehrkraft eignen. Dabei ist durchaus vorstellbar, daß dieselbe Aufgabenstellung von mehreren Schülerinnen und Schülern getrennt bearbeitet wird. Zu entscheiden ist auch, ob nicht z.B. in den musisch-künstlerischen Fächern Aufgabenstellungen mit fachpraktischem Schwerpunkt, jedoch in Verbindung mit einem schriftlichen Aufgabenteil, oder in den naturwissenschaftlichen Fächern das naturwissenschaftliche Experiment in die Themenstellung für die Facharbeit einbezogen werden können.
Die Facharbeit soll den Umfang von 15 Textseiten in Maschinenschrift nicht überschreiten. Damit ist sichergestellt, daß die Schülerinnen und Schüler die gestellten Aufgaben auch in der Zeit eines Kurshalbjahres bewältigen können. Außerdem hat bei diesem Umfang die Lehrkraft die Möglichkeit zu entscheiden, das Ergebnis der Facharbeit in dem Kurshalbjahr vor der Lerngruppe präsentieren zu lassen.

Hinweise und Empfehlungen, Auszug; Aufsatz im SVBL 1/98)

1. Rechtsgrundlagen, Zielsetzung, Definition
Mit der "Verordnung über die gymnasiale Oberstufe und das Fachgymnasium (VO-GOF)" vom 26. Mai 1997 und dem Erlaß "Ergänzende Bestimmungen zur Verordnung über die gymnasiale Oberstufe und das Fachgymnasium (EB-VO-GOF)" vom 26.05.1997 ist in Niedersachsen eine neue Form der selbständigen wissenschaftspropädeutischen Arbeit (Facharbeit) in der Kursstufe der gymnasialen Oberstufe und des Fachgymnasiums eingeführt worden, die es bei der Leistungsbewertung (§ 7 Abs. 3 VO-GOF) in einem der beiden Leistungsfächer zu berücksichtigen gilt (Nm. 10. 13 und 10. 16 EBVO-GOF). Hiernach tritt die Facharbeit im ersten oder zweiten Kurshalbjahr an die Stelle der Klausuren in einem Leistungsfach, legt die Schule fest, in welchem Kurshalbjahr und in welchem Leistungsfach die Facharbeit zu schreiben ist, bezieht sich die Facharbeit auf den Unterrichtsgegenstand des Kurshalbjahres und geht sie als schriftliche Leistung in diesem Leistungsfach in die Gesamtbewertung der Schülerleistung ein.[...]

2. Aufgaben der Konferenzen
[...]
2.2 Fachkonferenz
Die Erörterungen und Entscheidungen in der Fachkonferenz haben sich daran zu orientieren, daß Inhalte und Methoden des Leistungsfaches in dem Kurshalbjahr im Rahmen der Facharbeit exemplarisch zum Gegenstand der schriftlichen Auseinandersetzung und Bearbeitung gemacht werden müssen. Wie bei den schriftlichen Arbeiten (Klausuren) im Leistungsfach ist auch bei der Facharbeit darauf zu achten daß es einerseits bei der Themenstellung zu keiner Vorwegnahme späterer schriftlicher Abiturthemen kommt (diejenigen Schülerinnen und Schüler, die eine Facharbeit geschrieben haben, dürfen hierdurch im schriftlichen Abitur gegenüber den anderen nicht günstiger gestellt sein); andererseits wird sowohl mit der exemplarischen schriftlichen Bearbeitung als auch durch die gemeinsame Erarbeitung der dem schriftlichen Abitur vorbehaltenen Teile im Kursunterricht sicherzustellen sein, daß die Inhalte und Methoden des Kurshalbjahres im schriftlichen Abitur abgeprüft werden können.
Vor diesem Hintergrund wird die Fachkonferenz bei der Beratung über die jeweilige Kursfolge in bezug auf die Facharbeit geeignete Themenstellungen auch unter Berücksichtigung von Gruppenarbeiten beispielhaft skizzieren und ggf. konzipieren sowie von den Kurslehrkräften gestellte Themen und bewertete Facharbeiten an Beispielen erörtern, die fachspezifischen Bewertungsmaßstäbe und Beurteilungskriterien sowie das Gewichtungsverhältnis der einzelnen Bewertungsbereiche zueinander unter Berücksichtigung der Anforderungsbereiche I bis III, wie sie für Klausuren und schriftliche Abiturprüfungsarbeiten maßgebend sind, sowohl für Einzelarbeiten als auch für Gruppenarbeiten abstimmen und ggf. auch einen Beschluß zum Gespräch über die Facharbeit nach Nr. 5.3 herbeiführen,
· Grundsätze für die Begutachtung zusammenstellen; korrigierende und bewertende Randvermerke sollten sich dabei auf das erforderliche Mindestmaß beschränken, die Bewertung und Beurteilung, der Facharbeit sollte in einem zusammenfassenden Gutachten erfolgen,
· ggf. festlegen, welcher Aufbau für die Facharbeit gelten soll,
· den Umfang der Facharbeit bei einer Gruppenarbeit festlegen,
· Verfahrensschritte bei der Begleitung der Erarbeitung der Facharbeit erörtern und ggf. festlegen,
· Einzelheiten hinsichtlich der Archivierung und Sammlung der Facharbeiten beschließen.

3. Betreuung der Facharbeit durch die Lehrkraft
3.1 Themenstellung
Die Themenstellung für die Facharbeit ist gebunden an das Thema des Leistungskurses in dem festgelegten Kurshalbjahr; insoweit ist die Facharbeit integraler Bestandteil des Unterrichts, und muß sich das Thema für die Rückbindung in den Unterricht des Kurshalbjahres eignen. Die Themenstellung sollte sich dabei nach Möglichkeit auch an den Interessensgebieten der Schülerinnen und Schüler orientieren. Das konkrete Thema der Facharbeit wird von der Kurslehrkraft gestellt und verantwortet. Dabei müssen die verschiedenen Themen, die die Kurslehrkraft stellt, in ihrem Anspruch und Umfang vergleichbar sein. Arbeiten, die im Rahmen von Schülerwettbewerben angefertigt werden, können
nicht als Thema für eine Facharbeit herangezogen werden. Bei Gruppenarbeiten muß das Thema als Rahmenthema so formuliert sein, daß innerhalb des Rahmenthemas inhaltlich selbständige und nicht nur arbeitsteilig abgrenzbare Unterthemen bearbeitet werden können und auf diese Weise die individuelle Einzelleistung erkennbar bleibt. Bei Gruppenarbeiten sollte der Rahmen der Facharbeit den Richtwert von ca. 20 Textseiten in Maschinenschrift bei zwei und von ca. 25 Textseiten in Maschinenschrift bei drei Bearbeitern berücksichtigen. Die Zulassung anderer Gruppengrößen sollte bei der Facharbeit vermieden werden; ein Konferenzbeschluß etwa in der Weise, daß allen Schülerinnen und Schülern eines Leistungskurses dasselbe gestellt wird, entspricht nicht der Verordnungs- und Erlaßabsicht.
Das Thema einer Facharbeit sollte folgenden Ansprüchen genügen:
Es soll
· präzise formuliert und auf ein begrenztes Stoffgebiet des Leistungskurses in dem Kurshalbjahr beschränkt sein und die Anforderungsbereiche I bis III berücksichtigen,
· in Anlehnung an die Aufgabenstellung bei Klausuren in der Regel materialgebunden und -be-zogen sein,
· den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, selbständig zu Ergebnissen zu kommen,
· zur Anwendung wissenschaftlicher Arbeitstechniken (z. B. Benutzung von Primär- und Sekundärliteratur, Anwendung experimenteller Untersuchungsverfahren, Reflexion über angewandte Arbeitstechniken und -methoden, Nutzung von Angeboten entsprechender Institutionen etc.) verpflichten,
· nicht überfordern und angesichts der sonstigen schulischen Belastungen sowie der Zeitvorgaben zumutbar sein; deshalb sollte der angegebene Rahmen von Textseiten in Maschinenschrift nicht überschritten werden; je nach Schwierigkeitsgrad und Anlage des Themas werden auch weniger als die angegebenen Textseiten verantwortet werden können,
· Überschneidungen mit den Aufgabenstellungen im schriftlichen Abitur ausschließen und die Abiturrelevanz der verbindlichen Inhalte und Methoden des Kurshalbjahres berücksichtigen.

3.2 Einführung in die Anfertigung
Die Einführung in die auch für die Anfertigung einer Facharbeit notwendigen allgemeinen Arbeitstechniken, Methoden und Vorgehensweisen erfolgt in der gymnasialen Oberstufe und im Fachgymnasium im Laufe der Jahrgangsstufe 11. Die jeweils fachspezifischen Arbeitstechniken, Methoden und Vorgehensweisen werden vertieft im Rahmen des Unterrichts in dem Leistungsfach entwickelt, Dabei sollten folgende Arbeitsschritte berücksichtigt werden:
· Anfertigen eines Konzepts und einer Gliederung, Erstellung eines Ablauf- und eines Zeitplanes,
· Ermittlung von fachübergreifenden und fachspezifischen Informationen (Literatur, Quellen, Datensammlungen, elektronische Recherchen, Besuch von Bibliotheken und anderen außerschulischen Institutionen etc.), sachangemessene und ökonomische Benutzung, Auswertung, Gewichtung und Ordnung von Informationen,
· Planung, Gestaltung und Durchführung experimenteller Verfahren und Versuche,
· Handhabung fachspezifischer technischer Arbeitsmittel und Meßverfahren,
· korrekte Zitierweise und Erstellung eines Literaturverzeichnisses.


3.3 Begleitung während der Erstellung
Im Anschluß an die Themenfindung und die konkrete Themenstellung sollte sich die Fachlehrkraft von der Schülerin oder dem Schüler regelmäßig über den Fortschritt der Arbeit berichten lassen, auch um frühzeitig zu erkennen, ob die Schülerin oder der Schüler ggf. unökonomisch arbeitet, falsche Wege einschlägt oder in zeitliche Bedrängnis gerät. Die Beratung erfordert Zurückhaltung und darf dabei die Selbständigkeit der Erarbeitung nicht in Frage stellen. Es ist zweckmäßig, nach einer angemessenen Bearbeitungszeit, spätestens etwa nach der Hälfte, einen mündlichen Zwischenbericht zu verlangen. Der mündliche Zwischenbericht kann auch in den Unterricht eingebunden werden. Aufgrund der vorgeschlagenen regelmäßigen Gespräche an wichtigen Stellen im Arbeitsgang bei der Anfertigung der Facharbeit gewinnt die Lehrkraft bereits guten Einblick in die Selbständigkeit der Erarbeitung.
Die Erarbeitung der Facharbeit wird außerhalb des Fachunterrichts erfolgen. Dies schließt nicht aus, daß die Themenfindung oder die Begleitung eines Teilabschnittes je nach Entscheidung der zuständigen Fachlehrkraft im Rahmen des Unterrichts erfolgt. Es muß allerdings ausgeschlossen bleiben, daß der Fachunterricht generell gekürzt wird oder die Wochenstunden für das Leistungsfach über die Kurshalbjahre unterschiedlich verteilt werden, um die Erarbeitung der Facharbeit zu begleiten.

4. Formvorschriften und Aufbau
Es sollte darauf geachtet werden, daß Facharbeiten bestimmten Formvorschriften genügen und im Aufbau etwa gleich gestaltet werden.

4.1 Formvorschriften.
Zu den Formvorschriften sollten gehören:
· Benutzung von DIN A 4-Blättern, einseitig beschrieben, mit Heftungs- und Korrekturrand,
· Hinweis darauf, daß die Facharbeit nur in Maschinenschrift geschrieben werden darf (Nr. 10.16 EB-VO-GOF),
· Deckblatt mit Namensangabe, Thema der Arbeit und Angabe des Leistungsfaches,
· erste Seite zur Facharbeit mit folgenden Angaben: Schule, Schuljahr, Kurs, Fach, Name der Schülerin oder des Schülers, Thema, Name der Fachlehrkraft, Ausgabetermin des Themas, Abgabetermin der Facharbeit, Bewertung der Facharbeit (Angabe in Punkten), Unterschrift der Schülerin oder des Schülers, Unterschrift der Fachlehrkraft,
· Inhaltsverzeichnis (Einzelkapitel mit Seitenzahlangabe und ggf. Gliederungsziffern),
· Literaturverzeichnis,
· Schülererklärung am Ende der Arbeit auf gesondertem Blatt: "Hiermit erkläre ich, daß ich die vorliegende Facharbeit selbständig angefertigt, keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel benutzt und die Stellen der Facharbeit, die im Wortlaut oder im wesentlichen Inhalt aus anderen Werken entnommen wurden, mit genauer Quellenangabe kenntlich gemacht habe."
· ggf. Einverständniserklärung am Ende der Arbeit auf gesondertem Blatt: "Hiermit erkläre ich, daß ich damit einverstanden bin, wenn die von mir verfaßte Facharbeit der schulinternen Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird."

4.2 Anlage / Aufbau - mögliche Elemente
Die Anlage und der Aufbau der Facharbeit wird in der Regel nach folgenden Abschnitten gegliedert werden können, wobei fachspezifische Verfahren und Methoden auch ein anderes Gliederungsschema erforderlich und sinnvoll erscheinen lassen können:
1 Einleitung: Inhaltsübersicht, Problemstellung, Abgrenzung des Themas, Nennung und Begründung der gewählten Arbeitsweisen und Methoden.
2 Ausführung: Stand des Problems aufgrund der verwendeten Fachinformationen, Beschreibung der eigenen Untersuchung in straffer Gliederung Angaben zur Leistungsfähigkeit der gewählten Untersuchungsmethode, Formulierung der Ergebnisse, ggf. kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen, Aufzählung offen gebliebener Fragen, widersprüchlich gebliebener Tatbestände etc.
3 Schluß: Zusammenfassung und abschließende Überlegungen, evtl. Schlußfolgerungen über das gestellte Thema hinaus, evtl. Reflexion über das eigene Vorgehen und die angewandten Verfahren.
4 Materialien und Begründung für ihre Auswahl (evtl. bereits im Text).
Die Formvorschriften für Facharbeiten sollten durch die Gesamtkonferenz, der Aufbau sollte durch die Fachkonferenz festgelegt werden.

5. Bewertung und Beurteilung
5.1 Maßstäbe und Kriterien
Die fachspezifischen Bewertungsmaßstäbe und Beurteilungskriterien sowie das Verhältnis der einzelnen Bewertungsmaßstäbe zueinander haben sich an den Grundsätzen für die Bewertung und Beurteilung von schriftlichen Arbeiten in der gymnasialen Oberstufe und im Fachgymnasium zu orientieren. Die wesentlichen zu bewertenden und zu beurteilenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten sind deshalb auf die folgenden Bereiche bezogen: formale Anlage, methodische Durchführung und inhaltliche Bewältigung.

1. Formale Anlage
Hier geht es insbesondere um folgende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten:
· eine nachvollziehbare Dokumentation anzufertigen,
· einen Text formal korrekt und mit Sorgfalt anzulegen (Schriftbild, Seitenzählung, Trennung von Text- und Anmerkungsteil),
· einen Text standardsprachlich korrekt (Rechtschreibung, Zeichensetzung) und in aufgabengerechter und angemessener Sprachform abzufassen,
· korrekt zu zitieren (Kennzeichnung und Herkunftsnachweis von Zitaten),
· ein Literaturverzeichnis fachgerecht und übersichtlich anzulegen und formale Regeln bei der Anfertigung von Skizzen, Diagrammen etc. einzuhalten,
· die Gliederung einer Arbeit übersichtlich anzulegen und kenntlich zu machen (Überschriften, Untergliederung).

2. Methodische Durchführung
Hier geht es insbesondere um folgende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten:
· Beherrschung der fachspezifischen Terminologie, Methoden und Arbeitstechniken sowie ihrer angemessenen Verwendung und Beschreibung,
· Literatur und weitere ergänzende Informationen themenbezogen zusammenzustellen und auszuwerten,
· Zitate, veröffentlichte Beweise, Berechnungen, Statistiken, Bilder, Bildmaterial sach- und problembezogen einzusetzen,
· die Arbeit sach- und problemgerecht zu gliedern,
· die Argumentation folgerichtig und verständlich zu entwickeln,
· Materialien, Daten, Anschauungsmittel (Texte, Tabellen, Statistiken, Grafiken, Datensammlungen, Bilder, Noten, Klangbeispiele, Fotografien, Karten etc.) zweckentsprechend einzusetzen, auszuwerten und ggf. her- und darzustellen,
· Hilfsmittel - insbesondere elektronische - sachangemessen einzusetzen,
· Sachverhalte begrifflich präzise darzustellen und das gewählte Vorgehen zu reflektieren.

3. Inhaltliche Bewältigung
Hier geht es insbesondere um folgende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten:
· auf dem durch das Thema begrenzten Sachgebiet mit Hilfe fachspezifischer Methoden und Arbeitstechniken selbständig zu Ergebnissen zu kommen (Richtigkeit des methodischen Vorgehens und der Anwendung fachspezifischer Verfahren und Auswertungen),
· die im Thema gegebene Problemstellung sachangemessen vollständig und tatsächlich richtig zu erfassen, zu analysieren, darzustellen und ggf. zu modellieren,
· einzelne Problembereiche differenziert und begründet zu beurteilen,
· die im Thema angegebene Problemstellung auf spezifische Aspekte zu konzentrieren,
· einen Lösungsweg zur Problemstellung zu entwickeln, zu begründen und fachmethodisch korrekt darzustellen,
· sachlich richtige Aussagen und Lösungen zu formulieren und zu veranschaulichen, eigene Projekte zu entwickeln und Versuche (Experimente) zu planen, anzuordnen und durchzuführen,
· vorgegebene oder experimentell gewonnene Daten zu analysieren, zu bewerten und in den Gesamtkontext zu integrieren,
· zur logischen Verknüpfung der einzelnen Gedanken oder Beweisschritte, zu originellen und kreativen Ergebnissen zu kommen,
· zur richtigen Gewichtung der Sachverhalte zu gelangen,
· zur kritischen Reflexion hinsichtlich der eingesetzten Hilfsmittel und problemangemessenen Bewertung der angewandten Verfahren und Modelle zu kommen,
· eine begründete Stellungnahme bzw. Beurteilung oder Wertung zu entwickeln,
· die im Thema gegebene Problemstellung präzise und prägnant zusammenzufassen.
Bezüglich des Gewichtungsverhältnisses der Bewertungsmaßstäbe zueinander wird bei der abschließenden Bewertung und Beurteilung der formalen Anlage weniger Gewicht beizumessen sein gegenüber der methodischen Durchführung und gegenüber der inhaltlichen Bewältigung. Zugleich werden die Kriterien für die Anforderungsbereiche I bis III, wie sie für Klausuren und die schriftliche Abiturprüfungsarbeit gelten, bei der Bewertung und Beurteilung zu berücksichtigen sein.
Die in Abschnitt 3.3 angesprochene Beratung darf sich auf die Bewertung und Beurteilung der Facharbeit nicht negativ auswirken. War jedoch eine Weiterführung der Arbeit ohne fortwährende Hilfestellung nicht möglich und mußte Unterstützung auch dort gegeben werden, wo Lösungen von der Schülerin oder dem Schüler ohne weiteres hätten erwartet werden können, so ist dieses bei der Bewertung und Beurteilung zu berücksichtigen und sollte in einer Bemerkung in dem Gutachten zur Facharbeit zum Ausdruck gebracht werden.
Hinsichtlich gesondert zu beachtender Gesichtspunkte bei der Bewertung und Beurteilung der Facharbeit in einigen Fächern wird auf Abschnitt 9 verwiesen.

5.2 Korrektur und Gutachten
Die Korrektur der Facharbeit richtet sich im Grundsatz nach der Korrektur von schriftlichen Klausuren in der gymnasialen
Oberstufe und im Fachgymnasium, weil es bei der Facharbeit sowohl um die Überprüfung, die Richtigstellung als auch um die Hilfestellung für die weitere Arbeit in dem Fach in der Kursstufe geht. In knappen Randvermerken sollten die Vorzüge und Mängel der Facharbeit gekennzeichnet oder kommentiert und in einem Gutachten, das sich auf die Randvermerke und die vorausgesetzten Anforderungen bezieht, die Bewertungs- und Beurteilungskriterien zusammengefaßt werden.

5.3 Gespräch über die Facharbeit
Zur abschließenden Bewertung und Beurteilung ist ein Gespräch über die Facharbeit erlaßmäßig nicht vorgeschrieben. Die Bewertung und Beurteilung gründet sich deshalb in erster Linie auf das vorgelegte schriftliche Ergebnis sowie auf die Erkenntnisse, die die Lehrkraft bei der Begleitung der Erarbeitung gewonnen hat. Gleichwohl kann es sinnvoll sein und für bestimmte Fächer sogar für erforderlich gehalten werden, zusätzlich ein Gespräch über die Facharbeit vor der endgültigen Bewertung durchzuführen. Ein solches Gespräch liegt im eigenen pädagogischen Ermessen der Lehrkraft. Für den Fall, daß ein solches Gespräch geführt wird, wird das Ergebnis bei der Bewertung und Beurteilung der Facharbeit jedoch angemessen zu berücksichtigen sein. Es wird vorgeschlagen, daß die Fachkonferenz darüber berät, ob ein Gespräch über die Facharbeit, wie es beispielsweise nach den Rahmenrichtlinien Physik für erforderlich gehalten wird, in dem Fach als Regelfall gelten soll und in welcher Weise die dabei gewonnenen Erkenntnisse in die Gesamtbewertung der Facharbeit einfließen sollen. Ein diesbezüglicher Fachkonferenzbeschluß hat dabei jedoch auf den pädagogischen Ermessensspielraum der einzelnen Lehrkraft in dieser Frage Rücksicht zu nehmen. Für den Fall, daß ein Gespräch durchgeführt wird, kann nur in besonders begründeten Ausnahmefällen, z. B. wenn Zweifel an der selbständigen Erarbeitung der Facharbeit auftreten, eine zweite Fachlehrkraft hinzugezogen werden. Die Bewertung der Facharbeit obliegt aber in jedem Fall allein der Kurslehrkraft.

6. Versäumnis
Hat eine Schülerin oder ein Schüler aus nicht selbst zu vertretenden Gründen den Abgabetermin für die Facharbeit nicht einhalten können, so wird die Fachlehrkraft eine von ihr festgelegte Nachfrist einräumen. Konnte eine Schülerin oder ein Schüler aus nicht selbst zu vertretenden Gründen die Facharbeit nicht erstellen, so wird Nr. 7.16 EB-VO-GOF sinngemäß anzuwenden sein.

7. Zeitrahmen
Die Schulen werden durch Gesamtkonferenzbeschluß im Regelfall das zweite Kurshalbjahr des Schuljahrgangs 12 festlegen, in dem die Facharbeit zu schreiben ist. Die nachfolgenden exemplarisch aufgeführten "Zeitpläne" für die Themenfindung, Erarbeitung und Abgabe der Facharbeit beziehen sich deshalb auf dieses Kurshalbjahr am Beispiel des Jahres 1999. Dem Zeitplan liegt ebenfalls die Annahme zugrunde, daß vom Tage der Bekanntgabe des Themas durch die Kurslehrkraft an gerechnet der Schülerin oder dem Schüler ca. sechs Schulwochen reine Erarbeitungszeit zur Verfügung stehen. Bei der Termingestaltung sollte die Schule auf vergleichbare Vorgaben und Verfahren für die Schülerinnen und Schüler achten, so daß für alle eine Erarbeitungsphase entweder mit oder ohne Ferienzeiträume festgelegt und auch bei auf einen Leistungskurs bezogenen gestaffelten Terminvorgaben dieselbe Erarbeitungsphase von ca. sechs Schulwochen sichergestellt wird.
Folgende Zeitabläufe könnten sich ergeben:

Beispiel A
1.2.-11.2.1999: Vorüberlegungen und Erörterung zur Themenstellung, Abgrenzung, Aspekt-sammlung, Literatureingrenzung und -sichtung,
Bekanntgabe des Themas durch die Kurslehrkraft am 1 1.2.1999, 12.2.-25.3.1999:
- Erarbeitung der Facharbeit (erste Phase)
- Gespräche zum Zwischenbericht
- Erarbeitung der Facharbeit (zweite Phase),
26.3.1999: Abgabe der Facharbeit bei der Kurslehrkraft, ab 19.4.1999: ggf. Gespräche zur Facharbeit, Festlegung der Bewertung der Facharbeit und Bekanntgabe der Ergebnisse.

Beispiel B
22.2.-5.3.1999: Vorüberlegungen und Erörterung zur Themenstellung, Abgrenzung, Aspekt-sammlung, Literatureingrenzung und -sichtung,
Bekanntgabe des Themas durch die Kurslehrkraft am 5.3.1999, 8.3.-26.3.1999:
- Erarbeitung der Facharbeit (erste Phase)
- Gespräche zum Zwischenbericht,
27.3.-17.4.1999: Osterferien,
19.4.-7.5.1999: Erarbeitung der Facharbeit (zweite Phase),
10.5.1999: Abgabe der Facharbeit bei der Kurslehrkraft, ab 1.6.1999: ggf.. Gespräche zur Facharbeit, Festlegung der Bewertung der Facharbeit, Bekanntgabe der Ergebnisse.

8. Unfallversicherung
Schülerinnen und Schüler sind - wie ihre Lehrkräfte - im schulischen Bereich unfallversichert bei Teilnahme am Unterricht und an sonstigen Schulveranstaltungen sowie auf dem Schulweg und auf dem Weg nach und von einem Ort, an dem eine Schulveranstaltung stattfindet.[...] Wege, die zur Erarbeitung der Facharbeit in einem eindeutig nachweisbaren Zusammenhang stehen und deshalb erforderlich sind, gelten als Schulwege und fallen unter den Schutz der Unfallversicherung ("versicherte Betriebswege"). Für die Inanspruchnahme von schulischen Einrichtungen über den Unterricht hinaus bedarf es der Genehmigung der Schule. Dabei hat die Schule eine entsprechende Aufsicht sicherzustellen.

9. Hinweise für besondere Fächer
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10. Hinweise für die Schülerinnen und Schüler
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